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Genealogie > Genealogie Hübner

Onomastik ist die Lehre von der Entstehung und Bedeutung eines Nachnamens.

Bis ins Mittelalter konnten sich unsere Vorfahren getrost mit Vornamen anreden und wussten sich so voneinander zu unterscheiden.

Erst mit der Gründung größerer Städte und zunehmender Bevölkerungsdichte reichten die vorhandenen Vornamen nicht mehr aus und es wurde die Einführungen eines „Zunamen“, des zusätzlichen Namen, des „Nachnamen“, also des Namens, der nach dem bisher verwendeten Namen folgte, notwendig.

Diese Namensgebung folgte den vier wesentlichen Kriterien

Beruf             ( Müller, Schäfer… )
Herkunftsort   ( Berlin, Algermissen, Hamburger,… )
Eigenschaften ( Kurz, Lange, Langer… )
Stand             ( Voigt, Meier, Richter, Hübner )


Der Familienname Hübner lässt sich für den schlesischen Namensträger erklären:

Im Gegensatz zum Gärtner war der huobener (d. h. Besitzer einer huobe (Hufe), Vollbauer. Die von den deutschen Siedlern mitgebrachte Hufeneinteilung des Landes unterschied große, so genannte fränkische Hufen von etwa 140 preußischen Morgen und kleine, so genannte flämische Hufen von 60 preußischen Morgen. 1)

Wie allen im bäuerlichen Lebenskreis verwurzelten Namen begegnet Hübner in den ältesten städtischen Quellen nur selten:

Kaliz hubener        1309 B (=>? Breslau);
Hempel Hübner     1381 Sorau Land;
Petir Hübner         1431 Glatz;
Michil Hübner         1451 Görlitz.


Die mitteldeutsche Lautgestalt mit Media b zeigt, das der Name fest war, bevor seit dem 15. Jh. die niederdeutsche Form des Wortes (Hufe) mit Hilfe des Sachsenspiegels vordrang.

Je nach regionaler Quelle kommt es bei der Deutung des Nachnamens zu Differenzen. Die hier verwendeten Quellen beziehen sich im Wesentlichen auf die Region Schlesien, die ich nach meiner Überzeugung für die Deutung als geeignet bezeichnen möchte.

Auch hat sich im Laufe der Jahrhunderte und durch die begrenzte Zahl der Personen die des Lesens und Schreibens kundig waren, die Schreibweise des Namens erheblich verändert. Dadurch ist es heute um so schwerer, die „Wurzeln“ wieder zu finden.

Die Namensfamilie Hübner kennt daher auch weitere Schreibweisen:

Soweit die Informationen, die heute – 2008 – langläufig erhältlich sind. Allerdings ist das die für die heutige Zeit übliche und leider nachlässige Arbeitsweise, auf kurze Fragen auch mit einer kurzen und einprägsamen Antwort zu reagieren.

Also ist dies nur die „Spitze des Eisbergs“ !

Offenbar ist im Laufe der Zeit untergegangen, dass es sich bei den Huber/Hübner um eine Art Standesbezeichnung der niederen Gerichtsbarkeit gehandelt hat.

Hierzu bedarf es eines Ausflugs in die Geschichte, die sehr viel weiter zurückreicht, als dies bisher vorstellbar war: Die in den „teutschen Landen“ übliche Rechtsprechung ging auf die Form der Ratsversammlung „Thing“ oder „Ding“ zurück. Hier wurde Recht gesprochen und dieses Recht war – ähnlich wie in Großbritannien noch bis in die jüngste Vergangenheit ein Recht anhand von Präzedenzfällen. Es gab dabei kein einheitliches Gesetzbuch und die Regeln nach denen sich das Gericht zusammensetzte, waren in den so genannten „Weisthümern“ formuliert.

Die erste, bekannte Niederschrift und Publikation dieser „Weisthümer“ soll der Sachsenspiegel gewesen sein.2)

Aus einer juristischen Auseinandersetzung mit diesen „Weisthümern“ wird zitiert: 3)

In gleichem Sinne von Herrenrecht über das Gut stehet auch oft Herrlichkeit: z. B. in dem Weisthum von Mühlbach. Danach hat dort der Junker Conrad zu Batzenhausen zum Stein:
„zwing, ban, gericht, frevel, gebot und alle Herrlichkeit";

und dieser „Herrlichkeit" entspricht sodann wieder genau der Ausdruck „plenum dominium" in einer Urkunde Kaiser Albert's von 1305.

Dieses Eigen erstreckte sich aber ursprünglich nicht nur auf die Grundstücke, sondern auch auf die darauf sitzenden Colonen, Hintersassen, Huber oder Hübner. Dies drückt die Formel aus, dass dem Dinghof gehören

„bann und mann, leib und gut"; oder:,,grünt und lute,“ Land und Leute, „Lut und Gut".

So z. B. sagt das Weisthum von Gressweiler:

„Zum ersten ist ban und man, leib und gut, wald und weid, acker und matten, wasser und wasserfluss, klein und gross, gesucht und ungesucht, nichts ussgenomen in dem bann zu Gressweiler, das ist alles des closters zu Erstein eigen".

Im Weisthum von Drusenheim heisst es:

„Item, zum ersten spricht man zum rechten eyme apte von Swartzach twing und banne und grünt, lute und alle eygentschaft".

Seit dem XV. Jahrhundert wurde die Formel ,,Land und Leute" die gewöhnliche und findet sich seitdem regelmässig in den kaiserlichen Lehenbriefen über Dinghöfe, die dem Eeiche gehörten. Buchstäblich übereinstimmend zeigen auch die angelsächsischen Urkunden dieselbe Formel; so verleiht zum Beispiel Kaiser Eduard im XI. Jahrhundert einem Abte die gerichtsherrlichen Befugnisse:

„ofer alle his mannen and ofer his londe".

In ein heute gebräuchliches Deutsch übersetzt kann diesen Zeilen entnommen werden, das ein Hübner ein Untertan des jeweiligen Lehensherrn (in Süddeutschland meist der Kirche) gewesen ist und nicht mit der Leibeigenschaft belastet war. Es gab zwar Lehensverpflichtungen über die Abgabenpflicht hinaus, aber eben keine Hand- und Spann- oder Frohnspflichten.

Weiter zitiert:

In dem Weisthum von Ebersheimmünster vin 1320 wird das „Abmeiern“ bezeichnet als

„einem das gut, den hoven (Hof) usgedingen"

das heißt im Hübnergericht (D i n g) absprechen lassen, und der Hergang dabei wird folgendermassen beschrieben:

„und swa dick (oft) ein meiger eime gut usgedinget, das es an den zuc gat (geht), dass öl (er) künden in deme offenen dinge, und sol es der voget dem abbete ziehen in des gotshus gewalt. Und swa min herre der abbet sinen hoven uzgedinget, si ligen in verten (Fahrten) oder vmbe zins, die sol der vrige (freie) vogt deme abbete ziehen in des gotshus gewalt, und sol im fride beren und beschirmen, also daz der abbet geruwet (ruhig) sitze und frideliehe uf deme selben gute".

uzgedinget: usgedingen, ausdingen: Dingen, lombard. thingare, ist allgemeiner Ausdruck für jede gerichtliche Verhandlung, sowohl in Sachen der streitigen als freiwilligen Gerichtsbarkeit.

Hieraus ersieht man, dass ein förmliches gerichtliches Verfahren, dingen, thingare, in dem Hübnerdinge, das heißt dem von den Hübnern selbst gebildeten Dinghofsgerichte unter dem Vorsitze des Vogtes statt fand, wobei der Meier als Kläger für den Herrn auftrat, die Hübner als die Gerichtsgemeinde das Urtheil fanden und der Vogt sodann auf Grundlage des von den Hübnern gefundenen Urtheils die Ausweisung des Hubers und die Einweisung des Herrn in den Besitz des Hubgutes aussprach und dem Herrn „Frieden wirkte"; das heißt es fand ein Verbieten von Besitzstörungen durch den Vogt in derselben Weise statt, wie dies bei den Einweisungen („inwisunge") in Güter nach den Rechtsbüchern überhaupt durch den Richter statt fand.

Nirgends konnte der Herr, der Vogt oder Meier ohne vorgängiges Urtheil der Hübner eine Abmeierung oder eine Strafe aussprechen.

Das diese Rechtsprechung nicht ein einseitiges Recht des Hübners war, sondern auch eine Pflicht gegenüber dem Grundherrn (Dinghofherrn) wird beschrieben:

Das Recht des Dinghafherrn auf das Erscheinen der Hübner im Huberding. Von der verminderten Bedeutung: des Huberdinges in den letzten Jahrhunderten.

Die Ebersheimer Dinghofserneuerung von 1612 legt, wie viele andere Weisthümer, ein grosses Gewicht auf die Dingpflichtigkeit der Hübner, obschon die Bedeutung des Hübnerdinges als eines eigentlichen Gerichtes, welche es in den älteren Zeiten hatte, auch hier, wie fast überall seit dem XVII. Jahrhundert, schon sehr in den Hintergrund tritt. Es wird vorerst darauf gedrungen, dass jedes Gut, das hubig ist, und

„ihrne eines Hubers gebrüstet"

das heißt, das keinen Huber hat, binnen eines Monats einen

„huber geben"

das heißt anzeigen soll, wer es als Huber übernehmen und bauen will. Jeder Huber muss sodann bei dem Antritte des Gutes schwören:

„zu Gedinge und zu Hinge zu gähn (gehen) Ihr Recht zu sprechen“,


welche Vorschrift in §. 8. mit den Worten wiederholt wird:

„Ein jeglicher Huober soll auch gehorsam sein, Recht zu sprechen".

Aehnliche, fast wörtlich gleichlautende Bestimmungen finden sich in mehreren elsässischen Weisthümern, zum Beispiel im Weisthum von Wolksheim und im Weisthum von Swindrazheim.

Das unbefugte Ausbleiben, wenn der Hübner das Ding weiss, und es ihm verkündet, das heißt er dazu geladen wurde, wird nach der Ebersheimer Dinghofserneuerung von 1612 mit zwei Schilling Pfenning dem Meier gebüsst; ausdrücklich aber ist beigefügt, dass dieses Ausbleibens wegen ein Huber nicht als meineidig betrachtet werden solle: eine humane Beifügung, die wohl ein neuerer Zusatz war, indem sich aus der Vergleichung mit anderen Elsässer Weisthümern ergibt, dass man ursprünglich die ungehorsam Ausbleibenden, ja sogar die zu spät an dem Ding Erscheinenden wirklich für meineidig erklärte; so zum Beispiel nach dem Weisthum von Euchhofen und von Uetenheim, welches letztere Weisthum aber zugleich ausdrücklich berichtet, dass die Dinghofherren auf Bitte der Huber bewilligt haben,

„diesen puncten zu aendern, umb das niemand vergesslichkeit halb meineidig oder erlos erkannt würde".

Das Weisthum von Heiligenberg v. J. 1485 unterscheidet in ähnlicher Weise das Ausbleiben und zu spät kommen ohne Gefährde und mit Gefährde (,,geverde", das heißt dolus) und lässt nur im letzteren Falle die Erklärung als meineidig zu, wogegen im ersten Falle nur eine kleine Geldbusse von acht Pfenningen eintreten sollte.

Selbstverständlich konnte der Ebersheimer Meier die Hüber zu Ding und Ring laden, so oft er es für nöthig fand. Eine Versammlung ohne vorgängige besondere Verkündung, was in der alten Rechtssprache ein ungebotnes Ding hiess, sollte aber nach einem Beschlüsse der Huber vom 18. December 1600, welcher in der Dinghofserneuerung von 1612 aufgenommen ist, nur einmal im Jahre, am Set. Nicolaus - Abend, d. h. am Vorabend dieses Tages, nach dem neuen Kalender, also am fünften December gehalten werden. Es war somit die regelmässige Haltung des Dinghofes zu Ebersheim als ein sogenanntes Jahrding beschlossen worden.

Die Versammlung der Huber hatte auch noch der Ebersheimer Dinghofserneuerung von 1612 den uralten Charakter einer kleinen Gemeinde- und Gerichtsversammlung, eines kleinen placitum oder mallus beibehalten, worin jeder Huber „Stuhlgenosse", das heißt Sitz und Stimme zu führen berechtigt war.

Daher erscheinen auch die Beschlüsse dieses Meier- oder Hübner-Dinges in der Form von gerichtlichen Urtheilen oder Erkenntnissen, die auf Frage des Meiers („mit gemeiner Umfrage'') gefasst wurden; so zum Beispiel der eben angeführte Beschluss über die Bestimmung eines festen Tages für die Abhaltung des Dinges in der Ebersheimer Dinghofserneuerung.

Desgleichen berichtet dieselbe, dass auf Montag nach S. Ambrosii Tag anno 1524 von den Hubern „erkannt" worden ist, dass kein Huber mehr als drei Hubrechte (Hubgüter) haben solle und was er mehr (als bäuerliche Lehen) „trüg'' das heißt hätte, das sollte er einem andern „dingen"', das heißt an einen anderen vertragsmässig abtreten und an ihn im Meierding auflassen, so dass also auch hier wieder die alte Bedeutung des „thingare" als vollkommen praktisch hervortritt.

Ebenso wird es als ein „erkennen"' (d. h. judicare) der Huber in der Ebersheimer Dinghofsordnung von 1612, bezeichnet, wenn sie von einem neu eintretenden Huber „ihr Recht'', das heißt den Weinkauf begehren. Durch ein solches „gemeines Urtheil" das heißt einstimmigen Beschluss der Huber ist ferner nach der Ebersheimer Dinghofserneuerung von 1612 am St. Nicolaus-Abend (das heißt Vorabend) von 1558 die Fütterung der dreizehn Halbrosse geordnet worden, mit welchen der Gutsherr auf dem Dinghof zu erscheinen berechtigt war.

Auch die jährliche Wahl des Bannwartes, das heißt Feldhüters, durch die Huber aus drei von dem Meier vorzuschlagenden Männern erscheint nach der Ebersheimer Dinghofserneuerung als ein Erkenntnis, indem die Hufe

„bei ihren Eiden"

also wie die Schöffen eines Gerichtes bei der Urtheilsfällung in einer Rechtssache, erklären müssen, wer ihnen der

„böste"

das heißt Beste, Tauglichste zu sein dünkt.

Ganz in derselben Weise bezeichnen auch durchgängig die Weisthümer anderer Dinghöfe die Beschlüsse der Huber, was sie auch betreffen mögen, als Spruch, Urtheil oder Erkenntniss, so zum Beispiel das "Weisthum von Niedernspeckbach, von Euchhofen, von Bruschwickersheim u. s. w.

In dieser Auffassung der Hübnerversammlung als Gerichtsversammlung lag eine grosse Garantie derselben gegen willkührliche Bedrückungen und Anforderungen des Gutsherrn oder des Meiers und gegen willkührliche Vertreibung vom Gute, indem es sonach die Dinghofsgemeinde war, die allein erkannte und aussprach, was nach Hofrecht Recht und billig sei, der Gutsherr und sein Meier oder der Vogt aber nur Anträge auf den Spruch der Hübner stellen konnten, gerade so, wie jeder Richter nach dem alten Gerichtsverfahren auf das Befragen der Schöffen und des Umstandes beschränkt war.

Auf der anderen Seite hatte aber auch diese Form der Beschlussfassung der Hübner für den Gutshern den Vortheil, dass das, was durch einen solchen Spruch oder Urtheil der Hübner einmal zu seinen Gunsten festgestellt worden war, auch unzweifelhaft alle später als Huber eintretenden Personen als ein bereits judicatmässig festgestelltes Recht verpflichtete, und solche Bestreitungen der gutsherrlichen Gerechtsame, wie sie von Seiten neuer Erwerber von Hubgütern in der neueren Zeit nicht selten erhoben werden, wo der Gutsherr lediglich darauf angewiesen ist, durch Verträge mit den Pflichtigen seine Rechte zu sichern, gar nicht vorkommen konnten.

Die jetzt häufig von solchen neuen Ansiedlern in Dorfgemeinden erhobenen Einwendungen, dass die Hübner keine Corporation im Sinne des römischen Rechtes bilden, dass ihre Verträge mit dem Gutsherrn nur die Consentirenden und deren Universalsuccessoren, nicht aber die Dissentirenden oder die Singularsuccessoren der Consentirenden binden könnten, waren nach der alten Dinghofsverfassung rein undenkbar.

Das der mansua vestitus von der vestitura oder investitura des Hübners durch den Grundherrn benannt ist, wird heute von keiner Seite mehr bezweifelt werden wollen:

Wie sich die uralte, in der merowingischen Zeit schon nachweisbare Sitte des „Einfesten" des Colonen oder Hübners noch bis in die neueste Zeit erhalten hat, zeigt der noch im Oldenburgischen bestehende Gebrauch, wonach der Gutseigenthümer, der Gross-Bauer, Hausmann oder Zeller, als „Wehrfester" (vestitor. firmator), einen neu aufgenommenen Heuermann selbst dreimal um das Feuer, den Heerd, führt, um ihn ,,einzufesten".

Diese Form erinnert an die eben so alte Form der Freilassung in der Kirche „circa altare ducendo“, deren Bedeutung somit auch eben durch die beibehaltene ähnliche Form bei den Einfestungen der Heuerlinge aufgeklärt wird, nämlich als ein „Einfesten" in den Status eines Freigelassenen und zugleich eines homo ecclesiasticus, das heißt eines Schutzheiligen der Kirche.

Eben dieselbe Idee, dass ein Colon in einen mansus (cultura, colonia und dergleichen) eingefestet ist, drückt auch der Ausdruck cultura manufirmata aus, der sich zum Beispiel in dem Edict Kaiser Karl's II. von 869 findet; man mag dabei an eine Einfestung durch Handschlag und Herumführen um den Heerd oder durch Zufertigung einer Urkunde über die geschehene Gutsleihe, mit Unterschrift oder Handzeichen des Gutsherrn denken, auf welches Unterzeichnen auch der Ausdruck manufirmare oder manufirmatio häufig geht. Auch sonst wird „manufirma" in der Bedeutung als bäuerliche Gutsleihe auf Lebenszeit angetroffen.

Den Gegensatz von mansus vestitus und mansus absus, das heißt von einem mit einem Hübner besetzten oder zeitweise unbesetzten, aber zur Bauerleihe bestimmten Hubgut, bildet sodann der mansus indominicatus oder dominicatus, das heißt der Hof, den der Herr durch seine Leute und unter seinen Verwaltern für seine eigene Rechnung bauen lässt.

Soweit diese – in meinen Augen durchaus interessante – Abhandlung über die Namensbedeutung und –herkunft.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Schreibweise und die Wortwahl der Zeit Originals entspricht, also um 1860.

Das heißt aus heutiger Sicht: rund 10 Jahre vor der Gründung des Deutschen Reichs und immerhin in der kulturellen Einordnung der Zeit um die Revolutionen in Europa.

Noch heute kennen wir Träger des Namens Hübner die Notwendigkeit, die Schreibweise des Namens immer dann zu ändern, wenn wir im internationalen Bereich arbeiten. Aus Hübner wird dann zwangsläufig Huebner oder – weniger gebräuchlich: Hu“bner.

Die Besonderheit des Buchstaben ü hat übrigens auch dazu geführt, das es im englischen Sprachraum für das Wort „Umlaut“ keine Übersetzung gibt und es dort auch gebraucht wird.

So wird dann aus Hübner auch schnell wieder „Hubner with dots above the u“ oder „Hubner spelled with u-umlaut“.

Aber was wir heute können, das konnten unsere Altvorderen allemal, zumal die Kunst des Lesens und Schreibens zumeist dem Pfarrer und dem Dorfschulzen zugeschrieben wurde.

Je nach deren Bildung und Gehör wurden dann Namen niedergeschrieben, die sich häufig auf die bestmögliche phonetische Widergabe stützten:

War es der Pfarrer oder ein Lateinstudent, wurde aus dem „ü“ schnell ein „y“ oder ein „i“ bzw. „ie“, da die lateinische Sprache kein „ü“ kannte. Diese Besonderheit hielt sich in Süddeutschland auch noch bis weit nach Reformationszeit, während sich in nicht katholischen Gebieten die Schreibweise der Luther-Bibel durchsetzte.

Sucht man im englischsprachigen Raum, sollte man berücksichtigen, das die dortigen Immigranten sich mit der Schreibweise des Namens dem Sprachgebrauch schnell angepasst haben und Ihren deutschen Familiennamen Hübner in Hebner oder Heebner änderten, weil das „e“ in englisch wie ein „i“ ausgeprochen wird, was dem Ursprung „ü“ am ähnlichsten ist. Eine weitere Variante ist auch Hibner oder Hiibner, wobei die letzte vergleichsweise selten vorkommt, obwohl sie optisch die Ähnlichste zu sein scheint.

Ein weiterer Stolperstein bei der Suche nach dem Namen in Datenbanken und Kirchenbüchern ist die Hinzufügung von geschlechtsbezeichnenden Silben und Buchstaben zum Familiennamen.

Diese Praxis ist heute – meines Wissens – ausschließlich noch im slawischen Sprachraum (Rußland, Polen ...) gebräuchlich.

In der allgemeinen Umgangssprache nutzen wir das durchaus heute noch, wenn wir von der „Hübnerschen“ sprechen oder die „Hübnersche“ meinen.

In der amtlichen Schriftsprache kommt dies allerdings nicht mehr vor. Dies war jedoch nicht immer so und so war es bis ins ausgehende 19. Jahrhundert noch üblich, aus

Susanna Hübner die Hübnerin Susanna

zu machen und es nicht unüblich,

Carl Hübner als Hübners Carl

wiederzufinden.

Wer also mit der heute üblichen Schreibweise auf die Suche geht, wird schnell an die verschiedensten Grenzen stoßen und seine Suche dabei fälschlicherweise einengen.

Als wenn es damit nicht schon genug des Guten gewesen wäre, konnte im Hinblick auf die direkte Vorfahrenlinie noch eine weitere Besonderheit festgestellt werden:

Offenbar ist es zeitweise üblich gewesen, bei der Namensgebung mit zwei Vornamen ausgestattet zu werden, was ja auch heute noch durchaus Praxis ist. Allerdings muss dabei wohl sehr darauf geachtet werden, welcher der beiden Vornamen auch der Rufname gewesen ist.

Während heute üblicherweise der erstgenannte Name auch als Rufname angesehen werden kann, war es selbst bei meinem Großvater noch üblich, den zweiten Vornamen als Rufnamen zu nutzen:

Hermann Willi Hübner

war langläufig nur als Willi Hübner bekannt. Die Suche in einer Datenbank würde mit diesem Namen aber möglicherweise nur zu eingeschränkten Ergebnissen führen, um es mal vorsichtig auszudrücken.

Dadurch sind Fehler und Ungenauigkeiten eigentlich schon zu erwarten. Wer also einen Fehler findet: ich bin für jeden Hinweis dankbar, damit entsprechende Korrekturen vorgenommen werden können.

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